Bellen am Gartenzaun – 2 Maßnahmen, die dich langfristig ausbremsen und was du stattdessen tun kannst

Es ist Sommer und in den Nachbarschaften hört man vermehrt Hunde bellen. Einige von ihnen scheinen dabei kein Ende zu finden und halten mit ihrer Kläfferei ganze Siedlungen in Aufruhe.  In diesem Artikel lernst du zwei ganz typische Maßnahmen kennen, die häufig angewendet werden und doch keinen langfristigen Erfolg bringen. Du erfährst außerdem welche Alternativen es gibt um ständiges Bellen zu reduzieren, damit in deiner Nachbarschaft endlich mehr Ruhe einkehren kann.

Ungünstige Maßnahme Nr.1: Auf (vermeintlich) schnelle Lösungen setzen

Ständiges Bellen am Gartenzaun ist ein weit verbreitetes Problem. Der Wunsch nach schnellen Verbesserungen ist (verständlicher Weise) groß. Die Ansätze auf die dabei häufig zurückgegriffen wird, sind jedoch nicht immer zielführend.

Ein Strohalm, nachdem oft gegriffen wird, sind sogenannte Anti-Bellhalsbänder. Das Bellen des Hundes löst je nach Model z.B. einen Ton oder einen Luftstoß aus. Durch diese unangenehme Konsequenz soll das Bellen reduziert werden. So zumindest die Theorie.

Maßnahmen, durch die sich dein Hund unwohl fühlt bergen Risiken & Nebenwirkungen

Auch andere unangenehme Einwirkungen (z.B. laut werden, den Hund mit Wasser bespritzen, ein lautes Geräusch machen..) können dafür Sorgen, dass dein Hund sich erschreckt und darum kurz inne hält, generieren aber häufig keinen Langzeiterfolg.  Außerdem bergen diese Maßnahmen Risiken und führen häufig zu unerwünschten Nebeneffekten, die auch bei der Anwendung der Anti-Bellhalsbänder auftreten können.

Bevor ich dir erzähle, wie du zielführender ansetzen kannst, lass mich dir sagen, welche Nebenwirkungen möglich sind und warum aversive Maßnahmen in meinen Trainingsprozessen keinen Platz haben.

Mit aversiven Trainingsansätzen sind unter anderem folgende Probleme verbunden:

  • Die Ursachen werden weder berücksichtigt noch behoben.
  • Es ist nicht möglich vorher zu wissen, wie der Hund die Einwirkung empfinden wird. Manchen Hunden wird es nichts ausmachen, andere wird es stark ängstigen und alles dazwischen ist möglich. 
  • Es kann Gewöhnung stattfinden, falls der Reiz als leicht oder nicht unangenehm empfunden wird. Der Effekt wird wirkungslos verpuffen.
  • Der Hund bringt sein Gebell evtl. nicht mit der Konsequenz in Verbindung, sondern einen Reiz den er in seinem Umfeld wahrnimmt (z.B. einen Passanten). Hieraus können Verhaltensauffälligkeiten und negative Assoziationen gegenüber Menschen (oder anderen Reizen) entstehen. 
  • Die Halsbänder können Fehlfunktionen haben und auf andere Geräusche reagieren.
  • Es kann zu einem generell erhöhten Stresspegel während des Aufenthalts im Garten kommen. Weitere Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe, gesteigerte Ängstlichkeit/Aggressivität etc. werden begünstigt. 
  • Die Maßnahmen wirken sich mehr oder weniger (je nach individuellem Empfinden) negativ auf das Wohlbefinden aus.

In Kauf zu nehmen, dass möglicherweise Ängste durch die Anwendung dieser Halsbänder oder die Umsetzung oben genannter Trainingsmethoden entstehen oder es zu Fehlverknüpfungen kommt, ist die Sache aus meiner Sicht absolut nicht wert. 

 

Alternative Nr.1: Wer (vorerst) mehr Stille im Garten möchte, sollte lieber auf Management setzen

Im Hundetraining steht „Management“ für Maßnahmen, die verhindern dass sich der Hund unerwünscht verhält bzw. die Wahrscheinlichkeit dafür stark sinkt. Sie ersetzen kein Training, sind aber ein nützlicher erster Schritt.

Um langfristige Verbesserungen zu erreichen sollten sich faire Trainingsmaßnahmen anschließen, aber dazu später mehr.

Management kann unterschiedlich aussehen. Je nachdem auf welche Reize der Hund mit Bellen reagiert und wie der Garten gelegen und gestaltet ist. Manchmal reicht eine Maßnahme aus um Verbesserungen zu erzielen und in anderen Fällen müssen mehrere kombiniert werden. Beispielsweise kann am Gartenzaun ein Sichtschutz angebracht und eine passende Beschäftigung zur Verfügung gestellt werden, auf die sich der Hund gut einlassen kann (z.B. Kauartikel, Leckmatte..)

Ungünstige Maßnahme Nr.2: Den Fokus auf das legen, was der Hund NICHT tun soll

Wir Menschen neigen dazu unseren Fokus auf das zu richten, was wir als störend empfinden. Darum versuchen viele Hundehalter Bellprobleme am falschen Ende zu beheben. Sie reagieren erst, wenn der Hund schon am bellen ist, vielleicht sogar erst dann, wenn er schon so oft oder so lange gebellt hat, dass es entweder für sie selbst oder die Nachbarn nicht mehr zu ertragen ist. 

Nur zu reagieren, wenn der Hund schon bellt bremst Langzeiterfolge aus

Eine Problematik dabei: Der Hund übt sich immer und immer wieder in diesem Verhalten und bekannter Weise macht Übung den Meister. So entwickeln sich Gewohnheiten, die schwer wieder abzulegen sind. Nicht nur das Wiederholen des Verhaltens an sich, sondern auch den Effekt den es erzeugt, veranlasst Hunde dazu immer häufiger zu bellen oder das dauernde Kläffen beizubehalten. 

Nur zu reagieren, wenn der Hund schon bellt bremst Langzeiterfolge aus

Eine Problematik dabei: Der Hund übt sich immer und immer wieder in diesem Verhalten und bekannter Weise macht Übung den Meister. So entwickeln sich Gewohnheiten, die schwer wieder abzulegen sind. Nicht nur das Wiederholen des Verhaltens an sich, sondern auch den Effekt den es erzeugt, veranlasst Hunde dazu immer häufiger zu bellen oder das dauernde Kläffen beizubehalten. 

So lange sich ständiges Bellen lohnt, kann sich nichts zum Positiven verändern

Es gibt 3 Arten von Konsequenzen, die ein Verhalten aufrecht erhalten oder mehr werden lassen.

  1. Der Hund bekommt wenn er bellt sofort etwas, dass bei ihm angenehme Empfindungen auslöst.
    z.B.: Er bellt und dann wird sein Spielzeug geworfen.
  2. Der Hund kann etwas (für ihn) Unangenehmes beenden oder einen (für ihn) unangenehmen Reiz auf Abstand bringen und fühlt sich erleichtert.
    z.B.: Ein Passant geht am Zaun vorbei, der Hund bellt und der Passant entfernt sich/verschwindet.
  3. Es fühlt sich für den Hund angenehm an zu bellen. Das wird gern als „Selbstbelohnendes“ Verhalten beschrieben.

 

Bellen am Gartenzaun bringt oft Erleichterung

Das Bellen am Gartenzaun hängt häufig mit Variante Zwei zusammen. Warum der Reiz (z.B. Passant) als unangenehm empfunden wird, kann verschiedene Ursachen haben. Der Vierbeiner kann sich selbst oder sein Territorium bedroht sehen. Auch ein Zusammenhang mit Frustration ist möglich. 

Fakt ist, so lange sich das Bellen lohnt, wird der Hund dieses Verhalten weiterhin oder sogar vermehrt zeigen.

Das wir keinen Einfluss auf die Auslösereize (z.B. Passanten) haben, macht es so herausfordernd, ständiges Bellen im Garten in den Griff zu bekommen. Unterbrechen wir den Hund nachdem er begonnen hat, hat sich das Bellen meist schon längst gelohnt, weswegen es nicht zu einer allgemeinen Verbesserung kommen kann. 

Effektive Maßnahmen müssen darum früher ansetzen und wir brauchen den Fokus auf erwünschtem Verhalten, dass eine Alternative zum Bellen darstellt. 

     

    Alternative Nr.2: Der Fokus auf erwünschte Verhalten bringt dich wirklich weiter

    Hast du dir schon mal überlegt, welche Verhalten dein Hund zeigt wenn er im Garten ist, die du gut findest? Vielleicht bleibt er ja manchmal ruhig, wenn ein Passant vorbei geht oder bleibt auf der Terrasse liegen statt zum Zaun zu rennen.

    In einigen Fällen sind solche „guten“ Momente oft noch sehr kurz (wenige Sekunden) und selten. Management (s.o) macht solche Momente wahrscheinlicher und sorgt dafür das es dem Hund leichter fällt sich „erwünscht“ zu verhalten! Hier können wir ansetzen und die (noch) wenigen kurzen Momenten länger und mehr werden lassen. 

    Indem du deinen Hund gezielt und passend für erwünschtes Verhalten belohnst, tritt es immer häufiger und länger auf. Statt dass sich also das Bellen lohnt, tuen es ab jetzt andere Verhalten, mit denen es allen (Halter, Nachbarn, Hund) besser geht.

    Du hast mehr Einfluss als du vielleicht denkst!

    Über die Gestaltung des Gartenaufenthalts kann man das Verhalten des Hundes beeinflussen. Man kann also erwünschte Verhalten begünstigen und das Auftreten von unerwünschtem Verhalten unwahrscheinlicher machen. Es gibt dafür noch mehr Schrauben an denen du drehen kannst, als in diesen Artikel passen.

    Wenn du wissen willst, wie du den Aufenthalt im Garten sinnvoll gestalten kannst, du die Ursachen für ständiges Bellen identifizieren und auflösen kannst, passendes Management findest und mit fairen Mitteln Langzeiterfolge erzielst, dann hilft dir meine Videoreihe „Entspannt im Garten“ weiter.

    Bereit für eine positive Veränderung?

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